Die Entstehung eines 18.500 Liter Haifisch-Beckens

Große und anspruchsvolle Aquarienlösungen sind für das westaquaristik-Team Routine – zumindest fast, denn ein 18.500-Liter Aquarium baut man auch hier nicht alle Tage. Statische Berechnungen, Materialauswahl sowie logistische Herausforderungen beim Transport und Aufbau gilt es gewissenhaft zu planen. Kaffee in den Kopf, Bedenken und Zweifel raus. Dies ist keine One-Man-Show, sondern in-time Einbindung von Zulieferern, Behörden und die Koordination eines im Alltag eingespielten Teams. Wenn es losgeht, muss hier jeder Handgriff sitzen. Definitiv der falsche Platz für Hände-in-den-Hosentaschen.

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Ein Aquarienbauer kann nicht alles (auch wenn Erwartungshaltungen dies manchmal vermuten lassen), doch Präzisionsschweißen gehört sicherlich dazu. Das Untergestell wurde aus 100/50/5 mm und 50/50/5 mm Stahlprofilen geschweißt und soll später ein Gewicht von rund 30 Tonnen tragen.

Damit später ein heikler Arbeitsschritt – das Verladen des fertigen Aquariums – übergangen werden kann, entschloss sich das westaquaristik-Team kurzerhand, einen Tieflader als mobile Arbeitsplattform zu nutzen. Hierauf soll das Aquarium später auch transportiert werden.

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Nach einigen wenigen Wochen Planungsvorlauf geht es endlich los. Kein überaus sonniger Tag, doch es soll trocken bleiben. Die mobile Arbeitsplattform ist vorbereitet, das Untergestell ist ausgerichtet und die 20 mm Siebdruck-Bodenplatten passen wie eingegossen.

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Just-in-time werden vier Tonnen feinstes Mineralsicherheitsglas angeliefert. Die Plattenstärke beträgt 40 mm, die großen Seitenplatten haben eine Abmessung von 5 m x 1.5 m und wiegen einzeln fast eine dreiviertel Tonne. Jeder im Team weiss, was auf ihn zukommt und kann sich in Gelassenheit üben, denn zum Glück müssen die Glasplatten nicht von Hand gestemmt werden.

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Die Knochenarbeit übernimmt hier der mobile Glassauger. Seine 12 Saugnäpfe mit je 150 kg Saugkraft haben die schweren Glasplatten fest im Griff, während der Kran diese millimetergenau in die dafür vorgesehene Position hebt. Der anfänglichen Adrenalinausschüttung folgt der Cortisolschub – absolute Konzentration und Wachsamkeit sind nun jedem anzumerken.

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„Kennst Du den wo die Glasplatte kippte…?“ Zuschauer ohne Aufgabe dürfen Brötchen holen und Kaffee machen, doch keine Witze. Provisorisch werden die Platten fixiert, damit der Tieflader in die Arbeitshalle geschoben werden kann, wo die Verklebung der Glasplatten stattfindet.

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Ungeachtet der gigantischen Abmessungen ist auch bei diesem Projekt Aquarienbau Millimeterarbeit. Entstehen aufgrund von Passungenauigkeiten hier Spannung, könnte es passieren, dass das Aquarium beim Befüllen mit Wasser birst.

Fast 80 Meter Silikonnaht wollen gezogen werden. Mehr als 15 Kilogramm Zweikomponenten-Silikon werden hier verbraucht. Normales Aquariensilikon würde dem Wasserdruck später nicht standhalten.

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Zu guter Letzt werden die Bodenplatten eingelegt und verklebt. Zusätzliche Glasverstrebungen über den Nähten werden dafür sorgen, dass sich der Wasserdruck später gleichmäßig verteilt. Die Entscheidung für einen Stahlrahmen und somit eine stegfreie Konstruktion, wurde nicht nur aus Gründen maximaler Stabilität getroffen, sondern der Zugang von oben sollte größtmögliche Bewegungsfreiheit bei der späteren Pflege des Aquariums zulassen. Querverstrebungen aus Glas hätten das Aquarium zu großflächig abgedeckt.

Pause. Das Silikon muss durchhärten. In vier Tagen geht’s weiter.

Wie das Projekt voranschreitet berichten wir kommende Woche im „Making of … Teil 2“.

 

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